Volvo Construction Equipment führt seit Oktober 2021 drei neue Elektrobagger im Kompaktsegment ein: den L20 Electric Radlader sowie die Bagger-Modelle EC18 Electric und ECR18 Electric. Damit verfügt der schwedische Hersteller über die nach eigenen Angaben breiteste Palette an elektrisch betriebenen Baumaschinen der Branche – insgesamt fünf Modelle, ergänzt durch den bereits 2020 gestarteten ECR25 Electric und den L25 Electric.
Die Markteinführung ist Teil der 2019 angekündigten Strategie, die gesamte Baureihe der Volvo-Kompaktbagger (EC15 bis EC27) und Radlader (L20 bis L28) auf Elektroantrieb umzustellen und die Diesel-Neuentwicklung für diese Gewichtsklassen einzustellen. Volvo CE ist damit der erste große Baumaschinenhersteller, der sich auf eine rein elektrische Zukunft im Kompaktsegment festgelegt hat.
Was leistet der L20 Electric Radlader?
Der L20 Electric ist ein 4,5-Tonnen-Radlader mit 1,8 Tonnen Nutzlast und 1,65 Meter Spurweite. Paolo Mannesi, Global Product Manager für Kompakt-Radlader bei Volvo CE, betonte bei der virtuellen Produktvorstellung die Vorteile der Elektrifizierung: lokal emissionsfreier Betrieb und deutliche Geräuschreduktion. Diese Eigenschaften eröffnen neue Einsatzfelder – insbesondere in lärmempfindlichen Innenstadtlagen, wo Dieselmaschinen zunehmend reglementiert werden.
- Zwei Batterie-Varianten: 33 kWh oder 40 kWh Kapazität – wählbar je nach Einsatzprofil und Ladeinfrastruktur
- Ladezeit: 0–100 % in bis zu 5 Stunden an öffentlichen Ladestationen oder mit dem mitgelieferten Ladekabel
- Betriebszeit: bis zu 6 Stunden aktive Arbeitszeit pro Ladung
- Wartungsreduktion: 30 % weniger Wartungsaufwand gegenüber Diesel-Pendants
Der L20 Electric verfügt über eine Parallelkinematik, die durchgängig parallele Bewegungen ermöglicht – ein Vorteil bei Gabelzinken-Anwendungen im Materialumschlag. Eine neu entwickelte automatische Parkbremse mit Hill-Hold-Funktion soll den Bedienkomfort auf geneigten Baustellen erhöhen. Volvo CE hat zudem ein spezielles HMI-System (Human Machine Interface) für die elektrischen Kompaktmaschinen entwickelt, das auf optimierte Bedienung und Energieeffizienz ausgelegt ist.
EC18 und ECR18 Electric: Bagger mit Diesel-Genen und E-Vorteilen
Die beiden neuen Kompaktbagger EC18 Electric und ECR18 Electric teilen ihre mechanische Basis mit den Diesel-Versionen – Maschinenstruktur, Fahrwerk und Aufbau sind weitgehend identisch. Clement Brette, Global Product Manager für Kompaktbagger bei Volvo CE, hob bei der Vorstellung hervor, dass diese Kontinuität bewährte Stabilität und Bedienerfahrung sicherstellt, während die elektrische Antriebstechnik zusätzliche Vorteile bringt: geringe Vibrationen, geringere Geräuschentwicklung und direktere Hydraulikreaktion dank sofort verfügbarem Drehmoment.
Der ECR18 Electric ist ein 1,8-Tonnen-Kurzheckbagger, der laut Volvo CE die gleiche „best-in-class" Stabilität bieten soll wie sein Diesel-Pendant. Die Elektrifizierung ermöglicht Einsätze in Bereichen, in denen Abgasemissionen kritisch sind – etwa in Kellerbaustellen, U-Bahn-Tunneln oder denkmalgeschützten Innenhöfen.
Strategische Einordnung: Net Zero bis 2040
Melker Jernberg, Präsident von Volvo CE, stellte die neuen Modelle in den Kontext der Konzernstrategie: „Wir sind entschlossen, die Welt zu bauen, in der wir leben wollen." Das bedeute die Reduktion von CO₂-Emissionen, den Verzicht auf Abgase und Vibrationen sowie leisere Maschinen für angenehmere Arbeitsbedingungen. Die Elektrifizierung des Kompaktsegments ist Teil der Volvo-Group-Klimaziele, die im Juni 2021 von der Science Based Targets initiative (SBTi) anerkannt wurden: Netto-Null-Treibhausgasemissionen über die gesamte Wertschöpfungskette bis 2040 und mindestens 35 % vollelektrische Fahrzeuge im Gesamtportfolio bis 2030.
Die drei neuen Modelle waren ab Oktober 2021 online reservierbar, die Auslieferung startete 2022. Die Elektrifizierung der Baustelle geht über einzelne Maschinen hinaus – Volvo CE setzt darauf, dass sich Ladeinfrastruktur, Netzanschlüsse und Einsatzkonzepte parallel entwickeln. Für größere Maschinen bleibt Diesel vorerst die bevorzugte Antriebsquelle; Volvo CE konzentriert sich dort auf emissionsoptimierte Motoren und erforscht parallel Wasserstoff-Brennstoffzellen für künftige Generationen.
Wie geht es weiter?
Die Marktreife der elektrischen Kompaktmaschinen von Volvo CE ist erreicht – die Serienproduktion läuft. Entscheidend für die breite Akzeptanz wird sein, wie sich Betriebskosten, Ladeinfrastruktur und Wiederverkaufswerte entwickeln. Erste Pilotprojekte in Skandinavien und den Niederlanden zeigen, dass elektrische Bagger und Radlader in urbanen Baustellen mit planbaren Arbeitstakten wirtschaftlich konkurrenzfähig sind. Die nächste Entwicklungsstufe dürfte die Integration von Telematik und vorausschauendem Lademanagement sein, um Standzeiten durch intelligente Lade-Algorithmen weiter zu minimieren. Ob und wann Volvo CE auch mittelschwere Bagger ab 10 Tonnen Einsatzgewicht elektrifiziert, bleibt offen – hier konkurrieren batterieelektrische Konzepte mit Brennstoffzellen-Hybriden um die technologische Vormachtstellung.
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