Veolia Umweltservice Süd hat am Standort Bergrheinfeld einen kabelelektrischen Cat Umschlagbagger MH3022 Elektro in Betrieb genommen. Die Maschine mit 23 Tonnen Einsatzgewicht ersetzt einen dieselbetriebenen Vorgänger und arbeitet im Zwei-Schicht-Betrieb in einer Halle. Dort sortiert und beschickt sie kontinuierlich Gewerbemüll, der anschließend in einen elektrisch betriebenen Schredder wandert. Der Elektrobagger wird über eine integrierte, vollautomatische Kabeltrommel mit einem 30 Meter langen Schleppkabel versorgt. Die Stromversorgung erfolgt mit 400 Volt und 250 Ampere. Veolia erzeugt einen Teil der Energie über eine eigene Photovoltaikanlage auf den Hallendächern; bei Bedarf bezieht das Unternehmen Strom aus dem öffentlichen Netz.

Wie viel CO₂ spart der Elektro-Umschlagbagger wirklich?

Die CO₂-Einsparung lässt sich konkret beziffern. Ein vergleichbarer Diesel-Umschlagbagger der 23-Tonnen-Klasse verbraucht rund neun bis zehn Liter Sprit pro Betriebsstunde. Ein Liter Diesel entspricht etwa 2,64 Kilogramm CO₂. Damit fallen pro Stunde 25 Kilogramm CO₂ an, die bei der elektrischen Variante nicht entstehen. Henning Jansen, Verkaufsleiter Konzernkunden bei Zeppelin Baumaschinen, hat für den Einsatz bei Veolia folgende Rechnung aufgestellt: Bei 3 000 Betriebsstunden pro Jahr ergibt sich eine jährliche Einsparung von 75 240 Kilogramm CO₂. Über die geplante Maschinenlaufzeit von vier Jahren summiert sich die Ersparnis auf rund 301 Tonnen CO₂.

„Unsere Leistungsanforderungen sind die gleichen: ob bei einem Bagger mit Elektroantrieb oder mit Dieselmotor. Allerdings spielen Abgasemissionen im Zuge unserer Dekarbonatisierungsstrategie in der Unternehmensgruppe eine immer größere Rolle", erklärt Bastian Gradel, Verantwortlicher für den kompletten Fuhrpark bei Veolia Umweltservice Süd. Der kabelelektrische Bagger biete eine gute Möglichkeit, die alternative Antriebstechnik unter realen Bedingungen zu testen – technisch, wirtschaftlich und im Hinblick auf Fahrerkomfort und Arbeitssicherheit.

Leistung und Einsatzprofil: Was leistet der Cat MH3022 Elektro auf der Baustelle?

Der Cat MH3022 Elektro stellt seine Leistung von 90 kW ohne Zeitverzug sofort bereit. Das zeigt sich in schnellen Taktzeiten: Der geschlossene Mehrschalengreifer greift in den Gewerbemüll, lockert das Material auf, fischt Störstoffe heraus und befüllt anschließend den Trichter des Schredders. „Wenn man den Greifer bewegt, reagiert das Gerät sofort ohne Verzug. Der Bagger hat viel Kraft und steht stabil da", urteilt Walter Tois, Leiter Instandhaltung bei Veolia Umweltservice Süd, der die Maschine auch selbst bedient.

Ein wesentlicher Vorteil im Halleneinsatz: Der Bagger arbeitet abgasfrei, sodass keine aufwendigen Frisch- und Abluftsysteme erforderlich sind. Zudem erzeugt er keinen Funkenflug und kaum Abwärme – wichtige Sicherheitsaspekte im innerstädtischen und Halleneinsatz. Die Kabine verfügt standardmäßig über einen Frischluftfilter. Das Kühlsystem ist vom Motorraum getrennt, um die Geräuschentwicklung zu reduzieren. Vier elektrisch angetriebene, automatisch geregelte Umkehrlüfter mit einstellbaren Intervallen sorgen für die Kühlung. Ein feinmaschiges Sieb schützt den Kühler. Optional bietet Zeppelin ein patentiertes Vibrationsgitter an, dessen Schwingungen den Abscheidegrad erhöhen und so längere Standzeiten ermöglichen.

Wartung und Betriebskosten: Rechnet sich der Elektroantrieb?

Der Wegfall des Verbrennungsmotors soll den Wartungs- und Reparaturaufwand deutlich reduzieren. Motorölwechsel und AdBlue-Betankung entfallen komplett. Pausen zum Nachtanken gibt es nicht – ein Vorteil für die kontinuierliche Bearbeitung eintreffender Stoffströme. „Verfügbarkeiten von Maschinen sind im Umschlag und in der Entsorgung ein zentrales Thema. Wir erwarten Effizienz und eine konstante Leistung, welche die Maschine erbringen muss", betont Bastian Gradel. Wie sich der Wartungsaufwand langfristig entwickelt, muss sich in der Praxis noch zeigen. Der Fahrer muss sein Augenmerk vor allem auf die Filter legen, die nicht verstopft sein dürfen.

Der kabelelektrische Cat MH3022 basiert auf dem konventionell angetriebenen Umschlagbagger MH3022. Weil die Maschine bei Veolia keine großen Fahrstrecken zurücklegen muss und durchgehend in der Halle arbeitet, passt die Ausrüstung mit Elektromotor perfekt zum Einsatzzweck. „Der Einsatzzweck vor Ort muss eindeutig zur Maschine passen. So wie es hier der Fall ist", sagt Gradel. Ein gebrauchter Cat MH3022 der F-Serie mit Dieselmotor war zuvor zweieinhalb Jahre im Einsatz und erreichte während seines gesamten Maschinenlebens 12 000 Betriebsstunden.

Komfort und Sicherheit: Wie arbeitet es sich im Elektro-Umschlagbagger?

Ein sofort spürbarer Unterschied zum Diesel-Bagger: Die Maschine ist deutlich leiser. Das macht das Arbeiten für den Fahrer angenehmer, gerade bei langen Schichten in der Abfallwirtschaft. Auch die Vibrationen fallen minimal aus. Walter Tois nennt ein anschauliches Beispiel: „Heute zu Schichtbeginn ist beim Umschlag der Deckel einer Sprühdose auf dem Unterwagen gelandet. Nach mehreren Stunden Arbeitseinsatz und trotz der Bewegungen hatte er noch immer die gleiche Position." Das geringe Vibrationsverhalten wirkt sich positiv auf den Fahrerkomfort aus.

Die Kabine sitzt hoch, mit freier Sicht auf Greifer und Arbeitsbereich. Das erleichtert das Sortieren des Gewerbemülls und erhöht die Präzision. Durchbruchhemmendes Verbundglas mit 26 Millimetern Stärke an Frontscheibe und Dach erfüllt die Widerstandsklasse P8B – ein wichtiges Sicherheitsmerkmal beim Beschicken. Die serienmäßige Stielbegrenzung Cat E-Fence erhöht die Sicherheit mit pendelndem Greifer. Über den Monitor können Maschinisten ihr gewünschtes Fahrerprofil einstellen und abrufen – möglich durch die elektrohydraulische Vorsteuerung. Bedienung und Überwachung des Elektroantriebs erfolgen über einen zusätzlichen Touchscreen-Monitor in der Fahrerkabine. Zum Einschalten genügt ein Tipp auf den Bildschirm.

Kontext: Elektrifizierung im Umschlag und Recycling

Der Einsatz des Cat MH3022 Elektro zeigt, wo kabelgebundene Elektroantriebe ihre Stärken ausspielen: stationärer Halleneinsatz mit hohem Durchsatz, kurzen Zyklen und keinen Fahrstrecken. Für Veolia ist es der erste alternative Antrieb am Standort Bergrheinfeld. Das Unternehmen testet damit, wie sich die Technik langfristig bewährt – technisch, wirtschaftlich und bei der Arbeitssicherheit. Der Elektro-Umschlagbagger muss dabei dieselben Leistungsanforderungen erfüllen wie sein Diesel-Pendant: konstante Produktionsleistung, präzises Arbeiten, kurze Zyklen und gleichmäßige Performance bei hohem Durchsatz.

Angesichts steigender Dieselpreise und verschärfter Emissionsvorgaben gewinnen solche Lösungen an Bedeutung – vor allem für stationäre Anwendungen im Materialumschlag, in der Abfallwirtschaft und im Recycling. Ob sich das Konzept auch wirtschaftlich rechnet, wird sich über die geplante Nutzungsdauer von vier Jahren zeigen.

Quellen