Die Wirtgen Group gehört seit 2017 zur Deere & Company und positioniert sich als integrierter Systemanbieter für den Straßenbau. Mit den vier Kernmarken Wirtgen, Vögele, Hamm und Kleemann deckt der Konzern die gesamte Prozesskette von Fräsen, Stabilisieren und Recycling über Einbau bis zur Verdichtung ab. Insbesondere im Asphaltbau sieht sich das Unternehmen als Komplettanbieter – vom Aufbruch alter Fahrbahnen bis zur Fertigstellung neuer Schichten.
Wirtgen: Kaltfräsen und Recycling als Kernkompetenz
Unter der Marke Wirtgen vertreibt die Gruppe Straßenfräsen und Kaltfräsen in verschiedenen Leistungsklassen. Die Kompaktfräse W 50 Ri mit 0,5 m Arbeitsbreite eignet sich für Wartungsarbeiten und Instandsetzung, während Großfräsen wie die W 220 Fi Arbeitsbreiten bis 2,2 m erreichen und für Autobahn-Sanierungen konzipiert sind. Die Fräsleistung liegt je nach Modell zwischen 75 kW und über 550 kW Motorleistung. Typische Frästiefen bewegen sich zwischen 0 und 330 mm, wobei Hochleistungsfräsen bis zu 500 Tonnen Einsatzgewicht erreichen.
Neben klassischen Kaltfräsen bietet Wirtgen Recycler für die Bodenstabilisierung und Kalt-Recycling an. Diese Maschinen zerkleinern vorhandene Asphalt- oder Bodenschichten und mischen sie mit Bindemitteln – ein Verfahren, das Material spart und Transportkosten senkt. Die WR-Baureihe etwa erreicht Arbeitsbreiten zwischen 2,0 und 2,4 m bei Arbeitstiefen bis 500 mm.
Vögele Straßenfertiger: Vom Kompaktfertiger bis zur Großbaustelle
Die Marke Joseph Vögele steht für Asphaltfertiger und deckt mit der Super-Serie das Spektrum von Kompaktfertigern bis zu Hochleistungsmaschinen ab. Die kleineren Modelle wie der Super 700-3i erreichen Einbaubreiten zwischen 0,75 und 3 m und eignen sich für kommunale Bauvorhaben. Großfertiger wie der Super 3000-3i schaffen Arbeitsbreiten bis 12 m und Einbauleistungen von bis zu 1.800 Tonnen Asphalt pro Stunde – konzipiert für Autobahnbau und Großprojekte.
Technologisch setzt Vögele auf das Nivelliersystem RoadScan, das die Referenzhöhe berührungslos per Ultraschall oder Laser erfasst, sowie auf beheizbare Bohlen für homogene Verdichtung. Die Abziehbohle arbeitet je nach Modell mit Vibration oder Stampfung, um den Asphalt bereits beim Einbau vorzuverdichten.
Hamm Walzen: Verdichtung für alle Schichten
Unter der Marke HAMM vertreibt die Wirtgen Group Walzen für die Asphalt- und Bodenverdichtung. Das Portfolio umfasst Tandemwalzen (z. B. HD+ Serie mit 7 bis 14 Tonnen Einsatzgewicht), Gummiradwalzen und Kombinationswalzen. Die Tandemwalzen erreichen Arbeitsbreiten zwischen 1,3 und 2,1 m und kommen beim Asphalteinbau zum Einsatz. Für den Erdbau bietet Hamm Einbandagewalzen mit bis zu 26 Tonnen Einsatzgewicht.
Technologisch bietet Hamm Systeme wie HCQ (HAMM Compaction Quality), das die Verdichtungsqualität in Echtzeit misst und dokumentiert – ein Ansatz, der zunehmend für die Qualitätskontrolle Verdichtung auf Baustellen gefordert wird.
Kleemann: Brechanlagen für die Baustellen-Aufbereitung
Die vierte Marke im Straßenbau-Portfolio ist Kleemann, die mobile Brechanlagen und Siebanlagen herstellt. Die Backenbrecher der Mobicat-Serie und Prallbrecher der Mobirex-Serie ermöglichen die Aufbereitung von Abbruchmaterial direkt auf der Baustelle. Typische Durchsatzleistungen liegen zwischen 100 und über 400 Tonnen pro Stunde. Die Anlagen sind für den Einsatz im Recycling konzipiert, aber auch für die Aufbereitung von Naturstein im Straßenbau.
Marktposition und Differenzierung
Im Wettbewerb steht die Wirtgen Group Anbietern wie Caterpillar, Volvo CE oder BOMAG gegenüber. Die Differenzierung liegt in der Systemintegration: Während Wettbewerber oft nur Teilbereiche abdecken, bietet Wirtgen Group die komplette Prozesskette aus einer Hand – inklusive aufeinander abgestimmter 3D-Maschinensteuerung und Telematiksysteme. Insbesondere bei Großprojekten im Autobahnbau spielt diese Abstimmung eine Rolle, da alle Maschinen – von der Fräse bis zur Walze – mit denselben Planungsdaten arbeiten können.
Die Wirtgen Group hat in den vergangenen Jahren verstärkt auf Digitalisierung und Automation gesetzt. Systeme wie Navitronic Plus für Fräsen oder RoadScan für Fertiger ermöglichen teilautomatisierte Arbeitsprozesse, die Präzision erhöhen und Bedienfehler minimieren. Zudem arbeitet die Gruppe an alternativen Antrieben: Mehrere Pilotprojekte mit elektrisch betriebenen Walzen und Fertigern laufen bereits, wenngleich Serienmodelle noch ausstehen.
Aktuelle Entwicklungen und Produktankündigungen
In den vergangenen Monaten war es ruhig um neue Produktankündigungen der Wirtgen Group im Straßenbau. Der letzte größere Launch lag zum Recherchezeitpunkt rund fünf Wochen zurück. Branchenbeobachter erwarten jedoch für die kommenden Fachmessen – darunter die bauma 2025 – neue Modellgenerationen, insbesondere im Bereich elektrifizierter Kompaktfräsen und Fertiger. Auch die Integration von Telematik-Plattformen zur Flottenüberwachung und vorausschauenden Wartung dürfte weiter vorangetrieben werden, um Standzeiten zu reduzieren und die Amortisation der Maschinen zu verbessern.
Weitere Informationen zum Produktportfolio finden sich auf der offiziellen Website der Wirtgen Group.




