Der Median-Auftragswert bei öffentlichen Baumaschinen-Vergaben in Deutschland ist in den letzten 90 Tagen auf 395.822 EUR gestiegen – ein Plus von 40,4 Prozent gegenüber den 90 Tagen davor, als der Median bei 281.911 EUR lag. Grundlage der Auswertung sind 109 Zuschläge mit Wertangabe aus dem jüngsten Quartal sowie 90 Zuschläge aus dem Vorquartal. Die Zahlen stammen aus amtlichen Bekanntmachungen der Vergabeplattformen. Was treibt die Kennzahl nach oben? Der deutliche Anstieg des Median-Werts spiegelt keine allgemeine Preissteigerung wider, sondern die Verschiebung hin zu größeren Einzelaufträgen. Der Median – jener Wert, unter dem die Hälfte aller Vergaben liegt – reagiert sensibler auf die Größenverteilung als etwa ein Durchschnitt. Ein größerer Anteil mittelgroßer und großvolumiger Vergaben drückt die Kennzahl nach oben, während Kleinstaufträge an Gewicht verlieren.

Exemplarisch zeigt sich das an ausgewählten Vergaben aus dem Betrachtungszeitraum: DB InfraGO AG: Rahmenvereinbarung über die deutschlandweite Lieferung von Zweiwegebaggern, Zuschlag an Liebherr-Baumaschinen Vertriebs- und Service GmbH, Auftragswert 12.000.000 EUR. Die Bekanntmachung wurde am 6. August 2026 veröffentlicht, Region Frankfurt Main. Stadt Essen: Beschaffung von 23 Rettungstransportwagen (RTW) Typ C (davon optional 5 Fahrgestelle als Allrad), Zuschlag an Fahrtec Systeme GmbH, Auftragswert 7.714.660 EUR. Veröffentlichung am 19. August 2026, Region Essen. Berliner Feuerwehr: Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeuge mit feuerwehrtechnischer Beladung, Zuschlag an Rosenbauer Deutschland GmbH, Auftragswert 6.206.894 EUR. Veröffentlichung am Region Berlin.

Warum der Median aussagekräftiger ist als der Durchschnitt: Anders als der arithmetische Mittelwert wird der Median nicht durch einzelne Ausreißer verzerrt. Wenn beispielsweise eine Vergabe über 12 Millionen EUR in die Stichprobe fällt, hebt das den Durchschnitt spürbar an – der Median hingegen bleibt unverändert, solange sich die Rangfolge der mittleren Werte nicht verschiebt. Ein Anstieg des Median-Werts um 40,4 Prozent signalisiert deshalb, dass sich die Struktur der Vergaben selbst verändert hat: Die typische Auftragsgröße ist gewachsen.

Für Hersteller und Vertriebe ist diese Verschiebung relevant. Wer bislang auf Volumensegmente fokussierte, sieht sich nun einem Markt gegenüber, in dem Erdbewegung, Spezialtiefbau und Infrastruktur-Rahmenvereinbarungen stärkeres Gewicht haben. Gerade Rahmenvereinbarungen – wie jene für Zweiwegebagger der Deutschen Bahn – bündeln Beschaffungsvolumen über mehrere Jahre und mehrere Einsatzorte.

Zuschlagsverhalten und Angebotskonkurrenz: Auffällig ist, dass bei den genannten Großvergaben jeweils nur ein Angebot einging. Bei der DB-Rahmenvereinbarung wurde das Verfahren als neg-wo-call (Verhandlungsverfahren ohne Aufruf zum Wettbewerb) geführt, bei der Rettungstransportwagen-Beschaffung als Open (Offenes Verfahren). In beiden Fällen blieb die Konkurrenz aus oder wurde eingeschränkt. Das ist bei hochspezialisierten Maschinenbeschaffungen nicht ungewöhnlich: Produktanforderungen, Zertifizierungen und Serviceinfrastruktur grenzen den Kreis möglicher Bieter ein. Die öffentliche Hand setzt bei komplexen Beschaffungen zunehmend auf Rahmenvereinbarungen, um Abrufvolumina zu sichern und Beschaffungsprozesse zu straffen. Das verschiebt das Vergabevolumen von Einzelausschreibungen zu mehrjährigen Verträgen – und drückt damit auch den Median nach oben.

Einordnung und Ausblick: Die Auswertung zeigt einen Trend zu größeren Aufträgen in der öffentlichen Baumaschinen-Beschaffung. Das betrifft nicht nur Hydraulikbagger und Spezialmaschinen, sondern auch Infrastruktur-Projekte, die Erdbau, Leitungsbau und Spezialtiefbau vereinen. Zulieferer, die in diesen Segmenten aktiv sind, profitieren von der