Der Median-Auftragswert bei öffentlichen Auftragsvergaben für Baumaschinen in Deutschland ist in den vergangenen 90 Tagen auf 392.874 EUR gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 37,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum davor, in dem der Median bei 286.200 EUR lag. Das zeigt eine Auswertung amtlicher Bekanntmachungen der Vergabeplattformen. Für die aktuelle Periode lagen 122 Zuschläge mit Wertangabe vor, im Vorquartal waren es 96. Die Kennzahl zeigt, dass die Hälfte aller Aufträge oberhalb dieser Schwelle vergeben wurde – ein Signal für gestiegene Projektvolumina im öffentlichen Beschaffungswesen.

Welche Großaufträge den Median beeinflussen

Der Anstieg wird wesentlich durch einzelne Großvergaben gestützt. Den größten Auftrag im ausgewerteten Zeitraum erhielt die Liebherr-Baumaschinen Vertriebs- und Service GmbH: Die DB InfraGO AG, Geschäftsbereich Fahrweg, vergab eine Rahmenvereinbarung über die deutschlandweite Lieferung von Zweiwegebaggern im Wert von 12.000.000 EUR. Das Verfahren wurde als Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb durchgeführt, es ging ein Angebot ein. Die Bekanntmachung wurde am 06.08.2026 veröffentlicht.

Weitere Aufträge mit hohen Vertragswerten gingen an unterschiedliche Branchen, darunter auch baunahe Leistungen. Die Stadt Essen vergab 23 Rettungstransportwagen Typ C im Wert von 7.714.660 EUR an Fahrtec Systeme GmbH, die Berliner Feuerwehr beauftragte Rosenbauer Deutschland GmbH mit acht Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeugen für 6.206.894 EUR. Ein Zuschlag aus dem Hochbau betraf das Studentenwerk Dresden: Ed. Züblin AG erhielt den erweiterten Rohbau für ein Wohnheim an der Fritz-Löffler-Straße im Wert von 4.836.812 EUR. Der Leistungsumfang umfasste laut Bekanntmachung Baugrubenaushub von rund 4.165 m³, Schottertragschicht 0/32 auf rund 1.407 m² sowie Bohrgut separieren, laden und abfahren von rund 877 m³.

Wettbewerbsstruktur: überwiegend ein Angebot pro Verfahren

Auffällig ist, dass bei allen detailliert aufgeführten Vergaben jeweils nur ein Angebot eingegangen ist. Dies gilt sowohl für offene Verfahren als auch für Verhandlungsverfahren. Im Baumaschinenbereich ist eine geringe Angebotsanzahl typisch für hochspezialisierte oder volumenstarke Rahmenvereinbarungen, bei denen nur wenige Anbieter die technischen Anforderungen erfüllen oder langfristige Lieferketten garantieren können. Die Telematik-Integration und digitale Anbindung an Flottenmanagement-Systeme der öffentlichen Auftraggeber erhöht die Einstiegshürde zusätzlich.

Baugrubenaushub und Erdbewegung dominieren Rohbau-Vergaben

Die Dresdner Vergabe zeigt exemplarisch, welche Leistungen derzeit im Hochbau gefragt sind. Neben dem Aushub standen Hinterfüllung Bauwerk (rund 2.339 m²) und Rohgrabenbau (rund 320 m³) auf dem Leistungsverzeichnis. Der Einsatz moderner Hydraulikbagger mit GPS-gestützter 3D-Maschinensteuerung ist bei solchen Projekten mittlerweile Standard, um Toleranzen einzuhalten und Nacharbeiten zu minimieren. Die CPV-Codes der Vergabe (45200000, 45223220, 45262311, 45510000) decken Hochbau, Fundamente, Leitungsverlegung und Abbruch ab.

Methodische Einordnung: Median als robuster Lageparameter

Der Median-Auftragswert ist weniger anfällig für Ausreißer als der arithmetische Mittelwert. Einzelne Großaufträge wie die Zweiwegebagger-Rahmenvereinbarung verzerren den Median nicht, weil sie nur eine Position in der sortierten Wertliste darstellen. Der deutliche Sprung um 37,3 Prozent signalisiert daher einen breiten Trend zu höheren Einzelauftragsvolumina – entweder durch Zusammenlegung von Losen oder durch gestiegene Stückzahlen und Preisniveaus. Die Anzahl der Zuschläge stieg von 96 auf 122, was auf eine höhere Vergabeaktivität hinweist.

Datengrundlage und Transparenz

Die Auswertung basiert auf amtlichen Bekanntmachungen der nationalen und europäischen Vergabeplattformen. Erfasst wurden ausschließlich Zuschläge, bei denen der Auftragswert öffentlich angegeben wurde. Die genannten Auftragswerte sind Vertragswerte der gesamten Vergabe und keine Stückpreise. Wo ein Fabrikat genannt wurde, handelt es sich um eine Vorgabe der Vergabestelle und nicht um eine Vergabeentscheidung zugunsten eines bestimmten Herstellers. Die vollständigen Bekanntmachungen sind über die offiziellen Vergabeplattformen einsehbar.

Für Maschinenhersteller und Vertriebspartner bietet die Entwicklung Hinweise auf die Planungshorizonte öffentlicher Auftraggeber. Insbesondere Rahmenvereinbarungen wie die der Liebherr-Gruppe ermöglichen eine mittelfristige Absatzplanung. Der Fokus auf Spezialmaschinen wie Zweiwegebagger zeigt zudem, dass Infrastrukturbetreiber zunehmend auf standardisierte, wartungsarme Flottenkonzepte setzen.