Ein Straßenfertiger – auch Asphaltfertiger genannt – ist eine Baumaschine, mit der sich ungebundene und gebundene Schichten wie Sand, Schotter, Asphalt und Beton profilgerecht einbauen lassen. Im allgemeinen Sprachgebrauch haben sich auch die Bezeichnungen Schwarzdeckenfertiger oder kurz Fertiger durchgesetzt. Grundsätzlich wird zwischen Raupen- und Radfertiger unterschieden.

Wie funktioniert ein Straßenfertiger?

Das klassische Einbauverfahren ist der Horizontaleinbau. Dabei führt ein LKW-Kipper das Material ohne eingelegten Gang zu, während er in einer speziellen, vorn angebrachten Halterung (Abdrückbalken) von der Maschine geschoben wird. Das zentrale Bauteil ist die schwimmend gelagerte Bohle. Mit dieser lassen sich kleine Unebenheiten im Unterbau beim Überfahren ohne Eingriffe in die Steuerung verringern oder ausgleichen. Die Bohle hat die Aufgabe, das Mischgut über die gesamte Einbaubreite gleichmäßig zu verdichten und so eine geschlossene, ebene Struktur zu erzeugen.

Während des Einbaus ist die Bohle nur über zwei Zugpunkte mit der Maschine verbunden. Sie wird ausschließlich vom eingebauten Material getragen. Höhenänderungen erreichen Sie durch das Verändern des Anstellwinkels. Der Zylinder zum Heben und Senken ist ohne Funktion. Er lässt sich jedoch bei einigen Herstellern gezielt ansteuern, um die Bohle bei nichttragendem Material zu entlasten und damit eine höhere Einbaustärke zu erreichen.

Welche Bohlentypen gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen starrer Bohle und Ausziehbohle. Alle Bohlen verfügen in der Mitte über eine mechanische oder hydraulische Dachprofilverstellung. Das Einbaumaß ohne Ausfahr- oder Anbauteile wird als Grundbreite beziehungsweise Grundbohle bezeichnet. Das Eigengewicht und die Verdichtungsaggregate der Bohle sollen eine möglichst große Vorverdichtung erzeugen, damit unterschiedliche Einbaustärken einen geringen Einfluss auf das Walzmaß bei der Endverdichtung haben.

Mehr zu den Vorverdichtungssystemen bei Asphaltfertigern lesen Sie in unserem Beitrag Vorverdichtungssysteme bei Asphaltfertigern: Funktion von Stampfer, Vibrationsbohle und Druckleiste.

Wo werden Straßenfertiger eingesetzt?

Die Bauwirtschaft setzt Straßenfertiger in allen Bereichen ein. Sie sind daher in folgenden Anwendungsfeldern zu finden:

  • Straßen- und Wegebau
  • Böschungs- und Deponiebau
  • Garten- und Landschaftsbau
  • Sportplatzbau
  • Gleisbau

Neben ihrer Hauptaufgabe, dem Einbau von Walzasphalt, lassen sich mit der Maschine zudem Sand, Schotter, hydraulisch gebundene Tragschichten und Beton profilgerecht einbauen. Beim Einbau an Steigungen, wie sie beim Deponiebau und Wasserbau vorkommen können, stehen herkömmliche Varianten oder Umbauten in Form eines Hangfertigers für den Einsatz zur Verfügung.

Aufbau und Komponenten

Die Komponenten eines Fertigers bestehen aus dem Fahrantrieb, dem Materialbehälter (Aufnahmebehälter), den Kratzerbändern, Verteilerschnecke, Einbaubohle, Heizung und Nivellierautomatik. Der Materialtransport und die Verteilung in der Maschine sind automatisiert und können bei Bedarf per Hand übersteuert werden.

Eine Bohlenblockierung ist bei modernen Maschinen Standard. Sie erlaubt nach dem Halten mit Schwimmstellung ein Anfahren, ohne dass die Bohle ihre Höhe verändert. Das ist entscheidend für eine gleichmäßige Einbaustärke über die gesamte Baustellenlänge.

Was unterscheidet den Straßenfertiger von anderen Baumaschinen?

Der entscheidende Unterschied gegenüber anderen Baumaschinen wie Raupen oder Grader ist die schwimmend gelagerte Bohle. Diese spezielle Aufhängung ermöglicht es, dass die Bohle automatisch auf Unebenheiten im Unterbau reagiert und diese ausgleicht, ohne dass der Maschinenführer ständig manuell nachsteuern muss. Das sorgt für eine deutlich höhere Einbauqualität und gleichmäßigere Schichtdicken.

In aller Regel wird das hinter der Maschine vorverdichtete Material durch Walzen weiter verdichtet und geglättet. Je nach Bauausschreibungen und Verfahren kann der Einsatz eines Beschickers notwendig sein. Die ursprünglich für den Kompaktasphaltfertiger entwickelte Maschine wird als berührungsloses Verbindungselement zu den Mischguttransportfahrzeugen eingesetzt und nutzt ein Förderband zur Materialübergabe.

Tipps für die Praxis

Achten Sie bei der Auswahl eines Straßenfertigers auf die Einbaubreite: Die Grundbohle definiert das Einbaumaß ohne zusätzliche Ausfahr- oder Anbauteile. Für große Flächen empfehlen sich Ausziehbohlen, bei kleineren Projekten reicht oft eine starre Bohle.

Die Vorverdichtung durch die Bohle sollte möglichst hoch sein, damit unterschiedliche Einbaustärken sich nur minimal auf das spätere Walzmaß auswirken. So reduzieren Sie Nacharbeiten mit der Verdichtungswalze und sparen Betriebsstunden.

Bei Hangarbeiten oder Einbau in Schräglage sollten Sie gezielt auf Hangfertiger zurückgreifen. Diese Umbauten sind speziell für Steigungen ausgelegt, wie sie im Deponiebau und Wasserbau vorkommen.

Weitere Informationen zu Spezialeinsätzen finden Sie in unserem Beitrag Asphaltfertiger für den Autobahnbau.