Die Wirtgen Group präsentiert auf der Bauma 2025 in München ihre neuesten Entwicklungen für den Straßenbau und die Erdbewegung. Der Konzern, zu dem die Marken Wirtgen, Vögele, Hamm, Kleemann und Benninghoven gehören, konzentriert sich auf autonome Maschinensteuerungen und emissionsoptimierte Antriebe. Für Bauunternehmer bedeutet das: weniger Bedienerabhängigkeit, präzisere Ergebnisse und gleichzeitig die Erfüllung der strengen EU-Stage-V-Emissionsanforderungen.

3D-Maschinensteuerung senkt Materialverbrauch um bis zu 15 Prozent

Ein zentrales Thema am Messestand ist die 3D-Maschinensteuerung, die mittlerweile über alle Produktgruppen hinweg verfügbar ist. Die Systeme verknüpfen GPS-Positionierung mit digitalen Geländemodellen und steuern die Arbeitshydraulik in Echtzeit. Bei Straßenfertigern von Vögele sorgt die automatische Nivellierung dafür, dass Asphaltschichten auf den Millimeter genau eingebaut werden. Das reduziert den Materialverbrauch um bis zu 15 Prozent und spart Nacharbeit.

Für Betreiber von Kaltfräsen ist die integrierte Steuerung besonders relevant: Die Maschine erkennt das Soll-Profil und passt Frästiefe und Vorschub automatisch an. Das spart Betriebsstunden und erhöht die Präzision, was bei Sanierungsprojekten auf Autobahnen entscheidend ist. Wer heute eine Wirtgen W 210 Fi mit 3D-System ausrüstet, zahlt rund 80.000 Euro Aufpreis – amortisiert das aber bereits nach zwei Jahren durch geringeren Materialaufwand und höhere Produktivität.

Stage V ohne Mehrverbrauch: Neue Motorengeneration im Praxistest

Die Erfüllung der EU-Stage-V-Norm ist für alle Neumaschinen seit 2020 Pflicht. Die Wirtgen Group setzt dabei auf SCR-Katalysatoren und Dieselpartikelfilter, die den Ausstoß von Stickoxiden und Partikeln drastisch senken. Entscheidend ist: Die neueste Motorengeneration arbeitet laut Herstellerangaben ohne spürbaren Mehrverbrauch. Bei Hamm-Walzen der HD+-Serie liegt der Kraftstoffverbrauch trotz Stage V bei unter 8 Litern pro Betriebsstunde – ein Wert, den auch ältere Stage-IIIB-Modelle erreichten.

Die HAMM-Verdichtungswalzen nutzen zudem ein intelligentes Motormanagement, das die Leistung an die tatsächliche Belastung anpasst. Im Leerlauf schaltet der Motor automatisch auf Minimaldrehzahl, im Verdichtungsbetrieb springt er auf Volllast. Das senkt den Verbrauch über einen Arbeitstag um bis zu 20 Prozent – bei gleichbleibender Verdichtungsleistung.

Retrofit für ältere Flotten: Nachrüstung von Abgasreinigung kostet ab 25.000 Euro

Für Betreiber älterer Maschinen bietet die Wirtgen Group Retrofit-Lösungen an, um bestehende Flotten schrittweise auf Stage V umzurüsten. Die Nachrüstung einer Kaltfräse mit SCR-Katalysator und Partikelfilter kostet ab 25.000 Euro – deutlich günstiger als ein Neukauf. Allerdings ist die Nachrüstung nur bei Maschinen ab Baujahr 2015 wirtschaftlich sinnvoll, da ältere Motoren oft nicht die nötige Steuerungstechnik mitbringen.

Kleemann-Brecher: Mobile Recycling-Einheiten mit Elektroantrieb als Option

Die Marke Kleemann zeigt auf der Bauma 2025 mobile Brechanlagen, die wahlweise mit Dieselmotor oder elektrischem Antrieb betrieben werden können. Der Backenbrecher Mobicat MC 120 Z Pro leistet bis zu 650 Tonnen Durchsatz pro Stunde und ist damit für mittelgroße Recyclingbaustellen ausgelegt. Im Elektrobetrieb reduziert sich der Energieverbrauch um rund 40 Prozent gegenüber dem Dieselantrieb – vorausgesetzt, die Baustelle verfügt über einen Stromanschluss mit mindestens 400 Volt und 125 Ampere.

Der Preis für die Elektro-Variante liegt etwa 15 Prozent über dem Diesel-Modell. Wer jedoch in innerstädtischen Abbruchprojekten arbeitet, spart langfristig: Die Betriebskosten sinken um bis zu 50 Prozent, da Diesel durch günstigeren Strom ersetzt wird. Zudem entfallen Emissionsauflagen, die in vielen deutschen Innenstädten den Dieselbetrieb stark einschränken.

Autonomie im Straßenbau: Wo stehen wir wirklich?

Die Wirtgen Group testet derzeit vollautonome Fräs- und Fertigersysteme auf ausgewählten Autobahnbaustellen. Die Maschinen arbeiten dabei komplett fahrerlos – gesteuert von einem Leitstand am Baustellenrand. Der Bediener überwacht mehrere Maschinen gleichzeitig und greift nur bei Störungen ein. Das reduziert den Personalbedarf um bis zu 30 Prozent und erhöht die Auslastung, da die Maschinen auch nachts ohne Unterbrechung arbeiten können.

Allerdings ist die Serienreife noch nicht erreicht. Die autonomen Systeme funktionieren derzeit nur auf abgesperrten Autobahnabschnitten mit klarer Verkehrsführung. Komplexere Baustellen mit wechselnden Hindernissen und Querverkehr überfordern die Sensortechnik noch. Die Wirtgen Group rechnet mit einer Markteinführung ab 2027 – zunächst für Großprojekte mit hohem Investitionsbudget.

Telematik als Brücke zur Vollautonomie

Bis dahin setzt der Konzern auf Telematik-Systeme, die Maschinendaten in Echtzeit erfassen und an Flottenmanager übermitteln. Die Systeme zeigen Betriebsstunden, Kraftstoffverbrauch, Wartungsintervalle und Standorte aller Maschinen auf einer zentralen Plattform. Für Bauunternehmer mit mehr als 20 Maschinen ist das ein echter Effizienzgewinn: Wartungen werden vorausschauend geplant, Standzeiten sinken um bis zu 15 Prozent.

Die Telematik-Nachrüstung kostet je nach Maschinentyp zwischen 1.500 und 5.000 Euro. Die laufenden Kosten für die Datenübertragung liegen bei rund 30 Euro pro Maschine und Monat. Für größere Flotten amortisiert sich das System bereits nach einem Jahr durch geringere Ausfallzeiten und optimierte Einsatzplanung.

Fazit: Evolution statt Revolution – aber mit spürbarem Praxisnutzen

Die Wirtgen Group zeigt auf der Bauma 2025 keine spektakulären Neuerfindungen, sondern konsequente Weiterentwicklungen bestehender Technologien. Die 3D-Steuerungssysteme sind ausgereift und rechnen sich bereits nach wenigen Jahren. Die Stage-V-Motoren erfüllen gesetzliche Vorgaben ohne Leistungsverlust. Elektroantriebe sind für bestimmte Einsatzbereiche eine wirtschaftliche Alternative – aber noch keine Universallösung.

Für Bauunternehmer bedeutet das: Wer jetzt investiert, erhält Maschinen, die über die nächsten zehn Jahre hinweg konkurrenzfähig bleiben. Die Kombination aus präziserer Steuerung, niedrigeren Emissionen und digitaler Vernetzung senkt die Betriebskosten und erhöht die Auslastung. Vollautonome Systeme bleiben vorerst Zukunftsmusik – aber die Grundlagen sind gelegt.

Weitere Informationen zu den Innovationen der Wirtgen Group finden Sie auf der offiziellen Website des Herstellers. Wer sich für automatisierte Steuerungssysteme im Straßenbau interessiert, sollte auch unseren Artikel über Vögeles Automatisierungssysteme für Straßenfertiger lesen.