Die Wirtgen Group setzt auf der Bauma 2025 auf drei zentrale Trends: Stage-V-Motoren, autonome Maschinensteuerung und hybride Antriebskonzepte. Der Konzern, zu dem die Marken Wirtgen, Vögele, HAMM, Kleemann und BOMAG gehören, zeigt auf 3.800 Quadratmetern Standfläche, wie moderne Straßenbau- und Recyclingmaschinen auf verschärfte Emissionsvorschriften und den Ruf nach Automatisierung reagieren. Die Innovationen richten sich klar an Bauunternehmer, die ihre Flotten auf EU Stage V umstellen und gleichzeitig Produktivität und Bedienerkomfort steigern wollen.

Stage V: Saubere Motoren für Fräsen, Fertiger und Walzen

Alle neuen Straßenfertiger, Kaltfräsen und Verdichtungswalzen der Wirtgen Group erfüllen mittlerweile die EU-Emissionsklasse Stage V. Das bedeutet: Partikelfilter, SCR-Katalysator und intelligente Abgasnachbehandlung gehören zur Serienausstattung. Der Harnstoffverbrauch liegt je nach Modell bei 3 bis 5 Prozent des Dieselverbrauchs. Für den Fuhrpark bedeutet das: AdBlue-Tanks müssen in die Wartungsplanung einbezogen werden, die Intervalle liegen bei 200 bis 300 Betriebsstunden. Die Motoren stammen von Deutz und Cummins, beide optimiert auf niedrigen Verbrauch bei hoher Leistung.

Im Vergleich zu älteren Maschinen mit Stage IIIB sinkt der Partikelausstoß um 95 Prozent, der NOx-Ausstoß um 80 Prozent. Das ist nicht nur für Innenstadtbaustellen relevant, sondern auch für Projekte in Umweltzonen und bei öffentlichen Ausschreibungen, die strenge Emissionsgrenzwerte vorschreiben. Wer heute investiert, ist für die nächsten 10 Jahre regulatorisch auf der sicheren Seite.

Automatisierung: Maschinensteuerung entlastet den Fahrer

Die Wirtgen Group setzt auf drei Ebenen der Automatisierung: Fahrassistenz, automatische Nivellierung und teilautonome Arbeitsabläufe. Beim Straßenfertiger Vögele Super 1800-5i übernimmt das System "Niveltronic Plus" die automatische Höhensteuerung der Bohle. Der Fahrer gibt die Sollhöhe vor, das System regelt Hydraulik und Zuggeschwindigkeit. Die Präzision liegt bei ±3 Millimeter über 100 Meter Einbaustrecke. Das spart Nacharbeit und reduziert Materialverschwendung um bis zu 8 Prozent.

Die Wirtgen Kaltfräse W 210 Fi verfügt über eine automatische Tiefenregelung mit Ultraschallsensoren. Die Frästiefe wird in Echtzeit an das 3D-Modell der Baustelle angepasst. Das System kommuniziert über Telematik mit der Baustellen-Software und meldet Abweichungen direkt an den Bauleiter. Für den Bediener bedeutet das: weniger Stress, weniger Korrektionen, mehr Durchsatz. Die Flächenleistung steigt um 12 bis 15 Prozent im Vergleich zu manueller Steuerung.

Auch die Verdichtungswalzen von HAMM und BOMAG nutzen intelligente Systeme. Die HAMM HD+ 90i VV-HF misst die Verdichtung in Echtzeit über einen Beschleunigungssensor. Das Ergebnis wird farbcodiert auf einem Display angezeigt: grün für ausreichend verdichtet, rot für Nacharbeit nötig. Das spart Überrollungen und damit Diesel, Standzeit und Verschleiß. Die Amortisation liegt bei 2 bis 3 Jahren, je nach Einsatzintensität.

Elektrohybride: Erste Schritte zur emissionsfreien Baustelle

Die Wirtgen Group zeigt auf der Bauma auch erste Hybridantriebe. Der Vögele Super 1603-3i Hybrid kombiniert einen Dieselmotor mit einem Elektroantrieb für die Bohle. Im Einbau übernimmt der Elektromotor die Leistung, der Dieselmotor läuft nur noch für Fahrbetrieb und Hydraulik. Das senkt den Verbrauch um 15 Prozent und den Lärmpegel um 5 dB(A). Für Nachtbaustellen und Innenstadtprojekte ein klarer Vorteil.

Kleemann präsentiert mit der Mobicat MC 120 Zi EVO2 einen mobilen Backenbrecher mit elektrischer Antriebsoption. Die Maschine kann wahlweise mit Dieselmotor oder über einen 400-Volt-Anschluss betrieben werden. Im Netzbetrieb sinken die Betriebskosten um bis zu 60 Prozent, die CO₂-Emissionen auf null. Die Umschaltung dauert 10 Minuten, der Elektroanschluss ist Serie. Für stationäre Recyclingplätze und Steinbrüche mit Stromanschluss ist das die wirtschaftlichste Lösung.

Telematik und Flottenmanagement: Daten als Produktivitätshebel

Alle neuen Maschinen sind serienmäßig mit dem Wirtgen-Telematiksystem "Fleet View" ausgestattet. Das System erfasst Betriebsstunden, Kraftstoffverbrauch, Wartungsintervalle und GPS-Position. Die Daten werden in Echtzeit an eine Cloud übertragen und sind per App oder Webportal abrufbar. Für Flottenmanager bedeutet das: Transparenz über Auslastung, rechtzeitige Wartungsplanung und Diebstahlschutz.

Die Integration mit BIM-Plattformen ist möglich. Maschinendaten können direkt in die Baustellenplanung einfließen. Das reduziert Doppelarbeit und erhöht die Planungssicherheit. Die Wirtgen Group bietet dazu Schnittstellen zu Trimble, Topcon und Leica an. Die Lizenzkosten liegen bei 300 bis 500 Euro pro Maschine und Jahr, abhängig vom Funktionsumfang.

Positionierung: Nachhaltigkeit und Effizienz als Kernbotschaft

Die Wirtgen Group positioniert sich auf der Bauma klar als Anbieter für nachhaltige und intelligente Baumaschinen. Der Fokus liegt auf Straßenbau und Recycling, zwei Bereiche mit hohem Investitionsdruck durch verschärfte Umweltauflagen. Die Botschaft: Wer heute auf Stage V, Automatisierung und Telematik setzt, spart langfristig Kosten und erfüllt regulatorische Anforderungen. Für mehr Details zur autonomen Steuerung und Stage-V-Umsetzung bei der Wirtgen Group lesen Sie auch unseren Artikel Wirtgen Group auf der Bauma 2025: Wie autonome Steuerung und Stage V den Straßenbau transformieren.

Die Preise für die neuen Maschinen liegen 10 bis 15 Prozent über den Vorgängermodellen. Ein Vögele Super 1800-5i kostet rund 420.000 Euro, eine HAMM HD+ 90i VV-HF liegt bei 180.000 Euro. Die höheren Anschaffungskosten amortisieren sich durch geringeren Verbrauch, längere Wartungsintervalle und höhere Produktivität in 3 bis 5 Jahren. Für Unternehmen mit hoher Auslastung und langfristiger Planung ist das Invest wirtschaftlich sinnvoll.

Fazit: Wirtgen Group setzt auf bewährte Technologie mit Zukunftsoptionen

Die Wirtgen Group zeigt auf der Bauma 2025 keine revolutionären Neuentwicklungen, sondern eine konsequente Weiterentwicklung bewährter Maschinen. Stage V ist Standard, Automatisierung wird schrittweise ausgebaut, Elektrohybride ergänzen das Portfolio. Für Bauunternehmer, die ihre Flotte modernisieren müssen, bietet der Konzern solide Lösungen mit klarer Amortisation. Die Fokussierung auf Straßenbau und Recycling spiegelt die strategische Ausrichtung auf Märkte mit hohem Investitionsbedarf. Weitere Einblicke in die Automatisierung von Straßenfertigern finden Sie in unserem Beitrag Vögele: Drei Automatisierungssysteme für Straßenfertiger im Einsatz.

Wer auf der Bauma 2025 den Stand der Wirtgen Group besucht, sollte sich auf technische Details und Praxisbeispiele konzentrieren. Die Verkäufer rechnen gerne vor, wie sich höhere Anschaffungskosten durch niedrigere Betriebskosten amortisieren. Für Flottenmanager lohnt sich ein Blick auf die Telematiksysteme und die Integration in bestehende Softwarelösungen.