Der Drolshagener Bohrtechnik-Spezialist KLEMM Bohrtechnik GmbH hat ein neues Universal-Bohrgerät der Kompaktklasse vorgestellt. Das Gerät zielt auf kleinere Bauprojekte und enge Baustellen – ein wachsender Markt im Tiefbau und Spezialtiefbau, in dem zunehmend auch emissionsarme oder elektrische Antriebslösungen gefordert werden.

Kompaktklasse: Markt und Einsatzspektrum

KLEMM Bohrtechnik erweitert mit dem neuen Universal-Bohrgerät die Palette für kleinere Anwendungen. Kompakt-Bohrgeräte kommen typischerweise bei Pfahlgründungen, Mikropfahl-Arbeiten, Bodenverbesserung und Injektionsverfahren zum Einsatz. Die Nachfrage nach kompakten, leicht transportierbaren und flexibel einsetzbaren Geräten steigt, insbesondere in innerstädtischen Lagen, wo Platz, Lärmemissionen und Logistik limitierende Faktoren sind.

Das neue Gerät ist als Universalplattform konzipiert, die unterschiedliche Bohrtechniken – Drehbohren, Verrohren, Verpressen – abdecken soll. Damit positioniert sich KLEMM gegen Wettbewerber wie BAUER Maschinen und Liebherr, die ebenfalls kompakte Drehbohrgeräte für den Spezialtiefbau anbieten.

Technische Innovationen und Antriebskonzept

Details zu Motorisierung, Bohrtiefe, Drehmoment und Einsatzgewicht liegen noch nicht öffentlich vor. Branchenüblich sind in der Kompaktklasse dieselhydraulische Aggregate mit Leistungen zwischen 50 und 100 kW, die auf Raupen- oder Radfahr­werken montiert werden. Entscheidend für den Praxiseinsatz sind die maximale Bohrtiefe (typisch 15 bis 30 Meter bei Kompaktgeräten), das verfügbare Drehmoment der Bohrachse und die Transportbreite für enge Zufahrten.

KLEMM hat in den vergangenen Jahren verstärkt in Modularität und digitale Steuerungssysteme investiert. Moderne Kompakt-Bohrgeräte werden zunehmend mit Telematik-Systemen ausgestattet, die Betriebsstunden, Bohrparameter und Wartungsintervalle erfassen – ein wichtiger Faktor für Flottenmanager und Einkäufer bei der Amortisationsrechnung.

Elektrifizierung: Chancen und Hürden

Die Elektrifizierung der Baustelle ist im Spezialtiefbau noch wenig verbreitet. Während bei Minibaggern und Verdichtungswalzen bereits Serien-Elektromodelle verfügbar sind, stellen Bohrgeräte aufgrund ihrer hohen Leistungsspitzen und Dauerlast besondere Anforderungen an Akku-Kapazität und Ladeinfrastruktur.

Ein elektrisches Kompakt-Bohrgerät müsste typischerweise mit 100 bis 150 kWh Batterie ausgestattet sein, um eine Halb- bis Ganztagsschicht zu bewältigen. Die Ladezeit bei Drehstrom-Anschluss (22 kW) würde mehrere Stunden betragen – ein logistisches Problem auf Baustellen ohne stationäre Infrastruktur. Hybridlösungen, die einen kleinen Diesel- oder Gasgenerator als Range Extender nutzen, könnten für die Übergangsphase praktikabler sein.

KLEMM hat bislang keine eigenen Elektrobohrgeräte angekündigt, beobachtet jedoch die Marktentwicklung. Hersteller wie Liebherr und BAUER testen bereits Prototypen mit Elektro- und Hybridantrieb.

Positionierung gegen Wettbewerb

KLEMM Bohrtechnik ist in Deutschland ein etablierter Spezialist für mittelgroße und kompakte Bohrgeräte. Das neue Modell könnte sich gegen die kompakten Drehbohrgeräte von Liebherr (LB-Serie unter 20 Tonnen) und BAUER (BG-Serie Kompakt) positionieren, die beide seit mehreren Jahren auf dem Markt sind.

Entscheidend für den Markterfolg werden Anschaffungskosten, Wartungsfreundlichkeit und Verfügbarkeit von Ersatzteilen sein. In der Kompaktklasse spielen auch lokale Service-Netze eine große Rolle, da viele Betriebe keine eigenen Werkstätten für Spezialgeräte unterhalten.

Fazit: Potenzial für elektrische Variante

Das neue Universal-Bohrgerät von KLEMM adressiert einen wachsenden Markt für flexible, kompakte Geräte im Tiefbau. Für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit wird entscheidend sein, ob KLEMM parallel auch emissionsfreie oder -arme Antriebsvarianten entwickelt. Die EU Stage V ist erst der Anfang – viele Kommunen schreiben bereits heute emissionsfreie Baustellen aus, insbesondere bei innerstädtischen Infrastrukturprojekten.

Eine elektrische oder hybride Variante des Kompakt-Bohrgeräts könnte KLEMM einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, sofern die technischen Herausforderungen bei Batterie-Kapazität und Ladeinfrastruktur gelöst werden. Bis dahin bleibt das neue Modell eine konventionelle, aber notwendige Ergänzung des Produktportfolios für den wachsenden Markt enger, emissionssensitiver Baustellen.