Am 13. August 2026 besuchte Stefan Rouenhoff, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die Herrenknecht AG in Schwanau. Im Mittelpunkt stand eine neue Tiefbohranlage, die derzeit auf dem Werksgelände montiert wird und in Kürze bei einem Geothermieprojekt in München zum Einsatz kommen soll. Für Sie als Bauunternehmer ist diese Entwicklung aus zwei Gründen relevant: Erstens, weil sich immer mehr Städte für Tiefengeothermie-Projekte entscheiden und dabei auf spezialisierte Bohrtechnik setzen. Zweitens, weil die neueste Generation der Anlagen vollelektrisch arbeitet – ein Trend, der auch andere Spezialgeräte im Tunnelbau und Spezialtiefbau erfasst.
Was unterscheidet die neue Generation Tiefbohranlagen?
Die Herrenknecht Vertical GmbH entwickelt seit 2005 Tiefbohranlagen für Geothermie. Ulrich Schaffhauser, Vorstandsmitglied der Herrenknecht AG und verantwortlich für das Geschäftsfeld Exploration, beschreibt die jüngste Generation so: „Die neueste Generation unserer Tiefbohranlagen läuft vollelektrisch, braucht weniger Platz und ist gezielt auf Lärmschutz ausgelegt. Das ist besonders für urbane Geothermieprojekte entscheidend." Für Baustellen in dicht bebauten Innenstädten sind das handfeste Vorteile: weniger Platzbedarf für Dieselaggregate, niedrigere Emissionen, geringere Lärmbelästigung – und damit weniger Konflikte mit Anwohnern und Behörden.
Wie funktioniert Tiefengeothermie – und welche Rolle spielt die Bohrtechnik?
Bei Tiefengeothermie-Projekten werden Bohrungen in mehrere Tausend Meter Tiefe niedergebracht, um heißes Wasser oder Dampf zu erschließen. Anders als bei oberflächennaher Geothermie (etwa für Wärmepumpen im Einfamilienhausbau) geht es hier um die Versorgung ganzer Stadtteile oder Fernwärmenetze. Das Projekt Erdwärme Breisgau, das Herrenknecht gemeinsam mit dem Energieversorger Badenova vorantreibt, zeigt die Dimension: Künftig sollen rund 20.000 Haushalte in Freiburg und der Region mit regional erzeugter Wärme versorgt werden.
Die Bohrtechnik muss dabei mehrere Anforderungen erfüllen:
- Tiefe und Präzision: Bohrungen reichen oft mehrere Kilometer in die Tiefe, bei hohen Temperaturen und wechselnden Gesteinsschichten.
- Platzbedarf: In urbanen Gebieten steht nur begrenzte Fläche zur Verfügung – kompakte Anlagen sind Pflicht.
- Lärmschutz: Geothermieprojekte in Wohngebieten müssen strenge Grenzwerte einhalten.
- Energieversorgung: Vollelektrische Antriebe ermöglichen den Anschluss an bestehende Stromnetze, ohne zusätzliche Dieselgeneratoren.
Für Bauunternehmer, die sich im Leitungsbau oder Pfahlgründung bewegen, sind Parallelen erkennbar: Auch dort gewinnen elektrische Bohrgeräte und Drehbohrgeräte an Bedeutung, sobald Emissionsauflagen oder Lärmschutz ins Spiel kommen.
Was bedeutet der Trend für die Baumaschinenindustrie?
Martin Herrenknecht, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Herrenknecht AG, formulierte im Gespräch mit dem Staatssekretär klar: „Diese Anlagen sind unser Beitrag zur Wärmewende und stärken gleichzeitig die industrielle Wertschöpfung in Deutschland." Die Herrenknecht AG beschäftigt weltweit über 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, rund die Hälfte davon in Deutschland. Mit Investitionen in neue Produktions-, Logistik-, Forschungs- und Entwicklungsgebäude bekennt sich das Familienunternehmen ausdrücklich zum Standort Deutschland.
Für die Baumaschinenindustrie insgesamt sind drei Entwicklungen erkennbar:
- Elektrifizierung der Spezialgeräte: Neben Elektrobaggern und elektrischen Radladern erobern vollelektrische Antriebe nun auch Bohranlagen, Tunnelbohrmaschinen und weitere Großgeräte.
- Urbane Baustellen als Treiber: Städtische Projekte mit strengen Emissions- und Lärmauflagen beschleunigen die Nachfrage nach elektrifizierten Lösungen – ein Thema, das auch in unserem Portal zur Elektrifizierung der Baustelle vertieft wird.
- Kompaktere Bauformen: Platzsparende Anlagen sind nicht nur bei Geothermie-Projekten gefragt, sondern auch im innerstädtischen Hochbau, bei Infrastrukturprojekten und im Leitungsbau.
Welche Rolle spielt Tiefengeothermie im deutschen Energiemix?
Ulrich Schaffhauser betonte: „Tiefengeothermie ist der Wärmelieferant der Zukunft. Sie ist lokal verfügbar, nachhaltig, grundlastfähig und macht Städte unabhängiger von Energieimporten und volatilen Energiepreisen." Staatssekretär Rouenhoff unterstrich nach seinem Besuch: „Deutschland verfügt über hervorragende Ingenieurskunst, innovative mittelständische Unternehmen und erstklassige Fachkräfte. Unternehmen wie Herrenknecht zeigen eindrucksvoll, welches Innovationspotenzial in unserem industriellen Mittelstand steckt. Gerade bei Zukunftstechnologien wie der Tiefengeothermie sind solche Innovationen ein wichtiger Beitrag für eine sichere, nachhaltige und bezahlbare Energieversorgung."
Für Bauunternehmer bedeutet das: Geothermie-Projekte könnten in den kommenden Jahren zur festen Größe im Portfolio werden – sei es als Auftraggeber für Tiefbauarbeiten, Leitungsverlegung oder als Partner für Bohrunternehmen. Die Technologie steht laut Herrenknecht „in den Startlöchern", und immer mehr Städte und Energieversorger erkennen das Potenzial dieser Energiequelle.
Fazit: Geothermie-Boom trifft auf elektrische Bohrtechnik
Die neue vollelektrische Tiefbohranlage von Herrenknecht für das Münchner Geothermieprojekt zeigt, wohin die Reise geht: kompakter, leiser, emissionsfrei. Für die Baubranche ergeben sich daraus neue Auftragsfelder – und neue Anforderungen an die Geräteflotte. Wer heute schon auf elektrische Antriebe und kompakte Bauformen setzt, ist für urbane Infrastrukturprojekte gut gerüstet. Und wer sich für Tiefbauaufträge im Zusammenhang mit Geothermie-Projekten interessiert, sollte die Entwicklung in Freiburg und München im Auge behalten.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.
