Mit Bomap Pave präsentiert BOMAG auf der bauma 2025 in München eine Software-Plattform, die Verdichtungsmaschinen digital vernetzt und den Straßenbau durch Echtzeitdaten und automatisierte Qualitätskontrolle verändern soll. Der Bopparder Hersteller adressiert damit einen Markt, in dem die Dokumentationspflichten steigen und Bauunternehmen zunehmend auf digitale Prozesse setzen müssen.
Vernetzung von Walzen und Asphaltfertigern
Bomap Pave verbindet Verdichtungsmaschinen, Asphaltfertiger und weitere Baustellenfahrzeuge über eine zentrale Plattform. Das System erfasst während des Einbaus kontinuierlich Daten zur Verdichtungsleistung, Temperatur, Anzahl der Übergänge und weiteren Parametern. Diese Informationen werden in Echtzeit auf Tablets oder in der Maschinenkabine visualisiert, sodass Maschinenführer und Bauleiter unmittelbar auf Abweichungen reagieren können.
Die Verdichtung von Asphalt erfordert präzise Kontrolle über Temperatur und Walzenzahl. Wird die Verdichtung zu früh oder bei falschen Temperaturen durchgeführt, entstehen Qualitätsmängel, die später kostspielige Nacharbeiten erfordern. Bomap Pave soll durch kontinuierliche Überwachung solche Fehler vermeiden und gleichzeitig die Dokumentation automatisieren.
Echtzeit-Qualitätskontrolle als Kernfunktion
Ein zentraler Bestandteil der Plattform ist die Echtzeit-Qualitätskontrolle. Sensoren an den Walzen messen die erreichte Verdichtung und vergleichen sie mit den vorgegebenen Sollwerten. Abweichungen werden sofort gemeldet, sodass nachgebessert werden kann, solange das Material noch verarbeitbar ist. Dies reduziert das Risiko von Mängeln, die erst bei späteren Abnahmeprüfungen entdeckt werden.
Für Bauunternehmen bedeutet dies eine höhere Prozesssicherheit. Die automatisierte Dokumentation aller Verdichtungsvorgänge schafft zudem Rechtssicherheit bei Gewährleistungsfragen und erleichtert die Kommunikation mit Auftraggebern und Prüfingenieuren. Die erfassten Daten können direkt in Prüfberichte übernommen werden, was den administrativen Aufwand senkt.
Positionierung im Wettbewerbsumfeld
BOMAG tritt mit Bomap Pave in einen Markt ein, in dem bereits andere Hersteller digitale Lösungen etabliert haben. Caterpillar bietet mit Cat Command verschiedene Telematiksysteme an, Volvo setzt auf die Plattform Co-Pilot, und auch JCB hat mit LiveLink ein Telematikpaket im Portfolio. Diese Systeme konzentrieren sich jedoch oft auf Flottenmanagement und Maschinendaten, weniger auf prozessbezogene Qualitätskontrolle beim Straßenbau.
BOMAG fokussiert sich dagegen gezielt auf die Anforderungen des Straßen- und Asphaltbaus. Durch die Spezialisierung auf Verdichtungstechnik verfügt der Hersteller über jahrzehntelange Erfahrung in diesem Segment. Bomap Pave nutzt dieses Know-how, um nicht nur Maschinendaten zu erfassen, sondern die gesamte Prozesskette vom Asphalteinbau bis zur fertigen Straßenschicht abzubilden.
Chancen für kleine und mittlere Bauunternehmen
Während große Baukonzerne oft bereits eigene digitale Infrastrukturen nutzen, stehen kleine und mittlere Unternehmen vor der Herausforderung, wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu finden. Bomap Pave könnte hier eine niedrigschwellige Option bieten, vorausgesetzt die Lizenz- und Hardwarekosten bleiben überschaubar. BOMAG hat hierzu noch keine Details veröffentlicht.
Ein weiterer Vorteil für kleinere Betriebe könnte die einfachere Einarbeitung sein. Wenn das System intuitiv bedienbar ist und sich nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe integriert, sinkt die Hemmschwelle für die Einführung. Gerade bei Unternehmen mit heterogener Fahrzeugflotte ist zudem die Frage entscheidend, ob Bomap Pave auch Maschinen anderer Hersteller einbinden kann oder ob es auf BOMAG-Geräte beschränkt bleibt.
Offene Fragen zur Integration und Kompatibilität
Zu den Details der Plattform hält sich BOMAG vor der bauma 2025 noch bedeckt. Unklar ist, welche Schnittstellen Bomap Pave bietet und ob Daten in gängige Baustellenmanagementsysteme oder BIM-Umgebungen exportiert werden können. Auch zur Kompatibilität mit Bestandsmaschinen fehlen bisher Informationen. Viele Verdichtungsmaschinen im Einsatz sind älteren Baujahrs und verfügen nicht über die notwendige Sensorik für digitale Vernetzung.
Sollte BOMAG eine Nachrüstlösung anbieten, könnte dies die Akzeptanz erhöhen. Alternativ müssten Bauunternehmen bei einer Umstellung ihre Flotte modernisieren, was erhebliche Investitionen erfordert. Die bauma 2025 wird zeigen, wie BOMAG diese Fragen beantwortet und welche konkreten Anwendungsszenarien das Unternehmen für Bomap Pave präsentiert.
Ausblick auf die bauma 2025
Die Präsentation von Bomap Pave auf der bauma 2025 wird zeigen, ob BOMAG mit seiner Software-Lösung neue Maßstäbe im digitalisierten Straßenbau setzen kann. Entscheidend wird sein, ob die Plattform einen messbaren Mehrwert für den Baustellenalltag liefert und sich wirtschaftlich rechnet. Für die Branche könnte eine breite Verfügbarkeit solcher Systeme bedeuten, dass Qualitätsstandards steigen und Nacharbeiten seltener werden – vorausgesetzt, die Technik funktioniert zuverlässig und wird konsequent genutzt.