Linde Material Handling verstärkt sein Engagement im Segment explosionsgeschützter Stapler für den Einsatz in Ex-Schutzzonen. Der Markt für ATEX-zertifizierte Flurförderzeuge verzeichnet seit mehreren Jahren kontinuierliches Wachstum, angetrieben durch verschärfte EU-Richtlinien zur Arbeitssicherheit in explosionsgefährdeten Bereichen und steigende Nachfrage aus Chemie-, Pharma- und Energiebranche. Das Portfolio des Herstellers deckt verschiedene Zonen-Klassifizierungen ab und richtet sich an Betreiber, die in Atmosphären mit brennbaren Gasen, Dämpfen oder Stäuben operieren.

Explosionsgeschützte Stapler müssen die europäische ATEX-Richtlinie 2014/34/EU erfüllen – eine Anforderung, die konstruktive Besonderheiten wie flammendurchschlagsichere Gehäuse, temperaturüberwachte Motoren und funkenfreie Elektrik erfordert. Linde bietet entsprechend ausgerüstete Modelle für unterschiedliche Zonen: von Zone 1 und 2 (Gasatmosphären) bis zu Zone 21 und 22 (Staubatmosphären). Die Einsatzfelder reichen von Lackierereien über Raffinerien bis zu Recyclinganlagen für Lithium-Ionen-Batterien, wo Materialumschlag unter strenger Sicherheitsüberwachung stattfindet.

Im Wettbewerb mit Anbietern wie Jungheinrich und Toyota positioniert sich Linde über Beratungsleistungen zur Zonen-Klassifizierung und Nachrüstoptionen für bestehende Flotten. Während Jungheinrich verstärkt auf elektrifizierte Lösungen setzt, die sich auch für Ex-Bereiche eignen, fokussiert Linde auf eine breite Palette von Antriebs- und Schutzkonzepten – darunter Diesel-, Gas- und Elektrostapler mit entsprechenden Zertifizierungen.

Der europäische Markt für ATEX-Flurförderzeuge profitiert zusätzlich von der zunehmenden Durchsetzung der EU Taxonomy für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten, die Investitionen in moderne, sichere und emissionsarme Fördertechnik begünstigt. Für Betreiber chemischer Anlagen und Pharmahersteller bedeutet dies eine Modernisierungswelle: Ältere, nicht-zertifizierte Technik wird durch ATEX-konforme Neugeräte ersetzt, was Herstellern wie Linde, Jungheinrich und Toyota Aufträge sichert.

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass der Anteil elektrisch betriebener Ex-Stapler in den kommenden drei Jahren deutlich steigen wird – getrieben durch Emissionsanforderungen in geschlossenen Produktionshallen und die Integration von Telematik-Systemen zur Überwachung von Betriebsstunden und Wartungszyklen. Linde hat angekündigt, seine Zertifizierungen kontinuierlich an neue EU-Normen anzupassen und das Servicenetz für ATEX-Geräte europaweit auszubauen.

Ausblick: Der nächste Entwicklungsschritt liegt in der Kombination von ATEX-Konformität mit autonomen Fahrfunktionen – ein Bereich, in dem erste Pilotprojekte in Raffinerien laufen, jedoch noch keine Marktreife erreicht haben. Die Zulassung fahrerlosen Betriebs in Ex-Zonen stellt regulatorisch eine Herausforderung dar, die frühestens 2028 gelöst werden dürfte.

Quellen