Liebherr kündigt den Einstieg in das Segment der AT-Krane (All Terrain) an – eine strategische Erweiterung des Kranportfolios, die das Unternehmen erstmals in direkten Wettbewerb mit etablierten AT-Spezialisten bringt. Bislang konzentrierte sich der Baumaschinen-Konzern auf Mobilkrane, Raupenkrane und Turmdrehkrane. Der neue AT-Kran soll laut Unternehmensangaben Geländegängigkeit mit hoher Mobilität auf öffentlichen Straßen verbinden.
AT-Krane zeichnen sich durch ihre Allradlenkung und mehrachsige Fahrwerke aus, die Straßentransport ohne Sondergenehmigung und gleichzeitig Einsätze im schwierigen Gelände ermöglichen. Im Gegensatz zu klassischen Mobilkranen verfügen sie über vollgefederte Achsen und erreichen höhere Fahrgeschwindigkeiten auf Asphalt. Der Markt für AT-Krane wird bislang von wenigen Herstellern dominiert, darunter Tadano, Terex und Grove.
Die strategische Neuausrichtung von Liebherr in diesem Segment könnte mehrere technologische Impulse setzen. Das Unternehmen verfügt über langjährige Erfahrung in der Ausleger-Konstruktion und Hydrauliksystemen aus der Mobilkranfertigung. Insbesondere bei der Integration elektronischer Steuerungssysteme und Telematik-Lösungen könnte Liebherr Standards aus anderen Baumaschinensparten übertragen.
Für den Kranmarkt bedeutet der Einstieg eines etablierten Baumaschinen-Konzerns verschärften Wettbewerb. Liebherrs globales Händlernetz und Servicestruktur könnten dem Unternehmen Vorteile bei Verfügbarkeit und Ersatzteilversorgung verschaffen. Gleichzeitig muss sich das neue AT-Modell gegen technisch ausgereifte Wettbewerber-Produkte behaupten, die jahrzehntelange Entwicklungsarbeit in diesem spezifischen Segment repräsentieren.
Technische Details zum ersten AT-Kran von Liebherr wurden noch nicht kommuniziert. Branchenbeobachter erwarten Angaben zu Tragfähigkeit, Hubmoment und Kranausleger-Länge in den kommenden Monaten. Die Markteinführung könnte auf einer internationalen Fachmesse erfolgen.
Der Schritt ergänzt die jüngsten Aktivitäten von Liebherr im Krangeschäft, darunter die Expansion in Afrika und die Stärkung im City-Crane-Segment. Mit dem AT-Kran-Einstieg erschließt der Konzern ein Marktsegment, das besonders in Infrastrukturprojekten, Windkraftanlagenbau und industriellem Gerätebau nachgefragt wird.
Die strategische Bedeutung des Schritts liegt in der Portfolioabrundung: Liebherr kann künftig ein breiteres Spektrum an Krananwendungen abdecken und Kunden Komplettlösungen aus einer Hand anbieten. Dies könnte insbesondere bei Großprojekten mit unterschiedlichen Hebeaufgaben Vorteile verschaffen, wenn Bauunternehmen mehrere Krantypen koordinieren müssen.




