Kleemann hat einen vollelektrischen Brech- und Siebanlagenzug in Schweden unter realen Bedingungen getestet. Der schwäbische Hersteller gehört zur Wirtgen Group und markiert damit einen wichtigen Schritt in der Elektrifizierung von Aufbereitungstechnik. Die Maschinen liefen im Dauerbetrieb – ein Signal für eine Branche, die bislang fast ausschließlich auf Diesel setzt.
Schweden bietet für solche Tests ideale Bedingungen. Das Land verfügt über eine zuverlässige Stromversorgung und fördert emissionsfreie Baustellentechnik konsequent. Für Betreiber von Recyclinganlagen und Steinbrüchen bedeutet das: niedrigere Betriebskosten durch günstigeren Strom, keine Dieselpreisschwankungen, geringere Wartungsintervalle. Die Investitionskosten liegen allerdings noch deutlich über konventionellen Anlagen – Kleemann nennt keine Zahlen, Branchenkenner sprechen von 40 bis 50 Prozent Mehrkosten.
Der vollelektrische Anlagenzug besteht typischerweise aus einer mobilen Backenbrecheranlage, einer Siebanlage und Förderbändern. Alle Komponenten laufen ohne Verbrennungsmotor, die Energieversorgung erfolgt über Netzanschluss. Für Baustellen ohne Netzanschluss bleibt vorerst Diesel die Lösung – oder Hybridkonzepte mit Batteriepuffer.
Entscheidend für den Praxiserfolg: Die Maschinen müssen die gleiche Durchsatzleistung bringen wie Dieselanlagen. Typische Brechanlagen schaffen 200 bis 400 Tonnen Material pro Stunde. Ob der Elektrozug diese Werte konstant hält, wird Kleemann nach Testabschluss veröffentlichen. Für Flottenmanager ist das die Kernfrage: Rechnet sich die höhere Investition über niedrigere Betriebskosten und längere Standzeiten?
Die Transformation der Aufbereitungstechnik läuft parallel zur Elektrifizierung mobiler Baumaschinen. Volvo CE produziert bereits elektrische Knickdumper in Serie, Baggerhersteller bieten zunehmend Elektromodelle an. Bei stationären und semimobilen Brechanlagen ist der Umstieg technisch einfacher: Die Maschinen stehen länger am gleichen Ort, Netzanschluss ist oft vorhanden.
Für Betreiber von Recyclinghöfen und Steinbrüchen in Deutschland wird die Rechnung relevant, sobald Kleemann Serienpreise und garantierte Betriebsstunden kommuniziert. Wer heute investiert, muss mit Amortisationszeiten von 5 bis 7 Jahren rechnen – bei sinkenden Stromkosten und steigenden Dieselpreisen kann sich das beschleunigen. Der schwedische Test liefert dafür die Praxisdaten, die Einkäufer für Investitionsentscheidungen brauchen.
Mehr zur Elektrifizierung von Aufbereitungstechnik lesen Sie in unserem Themenportal Elektrifizierung der Baustelle. Details zu mobilen Brechanlagen finden Sie im Artikel Kleemann: Mobile Brechanlagen mit Elektroantrieb – was sie bringen.






