Volvo Construction Equipment zeigt auf der bauma 2025 in München seine komplette Elektro-Palette. Der schwedische Hersteller präsentiert vom 4. bis 10. April elektrische Baumaschinen in allen Leistungsklassen – vom kompakten Elektrobagger bis zum schweren Knickgelenkdumper. Während viele Wettbewerber noch Prototypen zeigen, bringt Volvo CE bereits Serienmaschinen auf den Messestand.
Elektro-Dumper ab 50 Tonnen im Serieneinsatz
Das Highlight auf dem Volvo-Stand: die elektrischen Knickdumper der A-Serie. Der A25 Electric und der A30 Electric sind bereits seit Monaten in Serie und fahren auf europäischen Baustellen. Der A25 Electric transportiert 24 Tonnen Nutzlast, der A30 Electric kommt auf 28 Tonnen. Die Akkukapazität liegt bei 264 kWh, die Reichweite bei 6 bis 8 Betriebsstunden – abhängig von Topografie und Fahrprofil.
Volvo CE nennt konkrete Zahlen zur Wirtschaftlichkeit: Die Betriebskosten der E-Dumper liegen um 40 bis 50 Prozent unter denen vergleichbarer Dieselmaschinen. Bei einem Strompreis von 20 Cent pro kWh kostet eine Akkuladung rund 53 Euro. Ein Diesel-Dumper verbraucht auf gleicher Strecke Kraftstoff für etwa 100 Euro. Die Mehrkosten bei der Anschaffung amortisieren sich laut Hersteller nach 4.000 bis 5.000 Betriebsstunden.
Elektrische Kompaktmaschinen für Innenstädte
Im Kompaktsegment zeigt Volvo CE den ECR25 Electric, einen 2,5-Tonnen-Minibagger mit Lithium-Ionen-Akku. Die Batterie hat 48 kWh Kapazität und ermöglicht 5 bis 6 Stunden Grabarbeit. Die Ladezeit beträgt 8 Stunden an einer 11-kW-Wallbox, 2 Stunden an einem 22-kW-Schnelllader. Der ECR25 Electric ist damit prädestiniert für den Einsatz in innerstädtischen Baustellen mit strengen Emissionsauflagen.
Auch bei den Radladern setzt Volvo auf Batterie-Antrieb. Der L25 Electric ist ein kompakter 4-Tonnen-Lader mit 3 Tonnen Hubkraft und 87 kWh Akkukapazität. Die Einsatzzeit liegt bei 6 bis 8 Stunden, die Ladedauer bei 4 Stunden an einem 22-kW-Lader. Der Anschaffungspreis liegt etwa 30 Prozent über dem Diesel-Pendant L25H, aber die Wartungskosten fallen um 60 Prozent niedriger aus – kein Ölwechsel, keine Dieselfilter, deutlich weniger Verschleißteile.
Ladeinfrastruktur als Hürde für Flottenbetreiber
Die Elektrifizierung der Baustelle steht und fällt mit der Ladeinfrastruktur. Volvo CE thematisiert dieses Problem offen: Ohne Schnelllader auf der Baustelle sind die E-Maschinen nur eingeschränkt einsetzbar. Ein 22-kW-Lader reicht für Minibagger und kompakte Radlader aus. Wer aber mehrere schwere Dumper parallel laden will, braucht Anschlüsse mit 150 bis 350 kW – und das kostet. Die Installation einer solchen Ladestation schlägt mit 50.000 bis 100.000 Euro zu Buche.
Für Bauhöfe und feste Depots ist das zu stemmen. Für wechselnde Baustellen wird es schwierig. Volvo CE bietet deshalb mobile Schnellladesysteme an, die per Dieselgenerator oder über temporäre Stromleitungen betrieben werden. Eine Übergangslösung, die den Elektro-Vorteil teilweise aufhebt – aber immer noch deutlich leiser und emissionsärmer als ein reiner Dieselbetrieb.
Volvo CE als Treiber der Elektrifizierung
Mit seiner Elektro-Offensive auf der bauma 2025 setzt Volvo CE die Konkurrenz unter Druck. Während Caterpillar und Komatsu noch stark auf Hybridantriebe setzen, geht der schwedische Hersteller konsequent den batterie-elektrischen Weg. Liebherr zeigt ebenfalls E-Maschinen, konzentriert sich aber auf das Großgerät im Tagebau. JCB wiederum setzt auf Wasserstoffantriebe – ein gänzlich anderer Ansatz.
Die Frage für Flottenbetreiber: Ist die Technologie ausgereift genug? Volvo CE verweist auf mittlerweile mehr als 3.000 E-Maschinen im Feld und über 1,5 Millionen kumulierte Betriebsstunden. Die Ausfallquoten liegen laut Hersteller unter denen vergleichbarer Dieselmaschinen, die Telematik-Daten zeigen hohe Verfügbarkeiten. Die größte Herausforderung bleibt die Reichweite: Für Großbaustellen mit 12-Stunden-Schichten und weiten Transportstrecken reichen 6 bis 8 Stunden Laufzeit nicht aus – außer es wird in Schichten geladen.
TCO-Rechnung: E-Antrieb lohnt bei hoher Auslastung
Die Total Cost of Ownership sprechen für Elektro – aber nur unter bestimmten Bedingungen. Wer seine Maschinen mehr als 1.500 Stunden pro Jahr einsetzt, erreicht die Amortisation nach 3 bis 4 Jahren. Bei geringer Auslastung dauert es 6 bis 8 Jahre – dann ist die Batterie oft schon am Ende ihrer Lebenszeit. Volvo CE garantiert 5.000 Ladezyklen oder 8 Jahre Lebensdauer, je nachdem was zuerst eintritt. Ein Batterietausch kostet beim ECR25 Electric rund 15.000 Euro, beim A30 Electric bis zu 80.000 Euro.
Für Bauunternehmen bedeutet das: Elektrifizierung der Baustelle rechnet sich vor allem bei festen Standorten, hoher Auslastung und lokalem Stromanschluss. Wer flexibel auf wechselnden Baustellen arbeitet, braucht entweder mobile Ladelösungen oder bleibt beim Diesel. Der Druck durch Emissionsauflagen in Innenstädten wird allerdings steigen – und damit die Nachfrage nach E-Maschinen.
Ausblick: Elektrische Großmaschinen ab 2026
Volvo CE kündigt auf der bauma an, die Elektro-Palette weiter auszubauen. Ab 2026 kommen elektrische Raupenbagger ab 20 Tonnen Einsatzgewicht. Auch im Bereich Erdbewegung plant der Hersteller weitere Modelle – darunter elektrische Planiergeräte und Verdichtungsmaschinen. Der schwedische Konzern investiert nach eigenen Angaben über 500 Millionen Euro in die Entwicklung alternativer Antriebe.
Die bauma 2025 zeigt: Die Elektrifizierung im Baumaschinensektor ist keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität. Volvo CE treibt diesen Wandel voran – und zwingt die Konkurrenz zum Nachziehen. Für Flottenbetreiber heißt das: Wer jetzt nicht plant, verliert den Anschluss. Die Technik ist da, die Wirtschaftlichkeit stimmt unter bestimmten Bedingungen. Jetzt geht es um Infrastruktur und Einsatzkonzepte.




