Hydraulische Scheren setzen Anbaugeräte in der Abbruchwirtschaft und Schrottverarbeitung ein, um Stahl, Beton und Kombinationsmaterialien kraftvoll zu trennen. Das Funktionsprinzip basiert auf dem punktuellen Aufbringen hoher hydraulischer Kraft über Zylinder, die eine oder zwei bewegliche Klingen bewegen. Im Gegensatz zu spanenden Trennverfahren erfolgt die Arbeit zerspanungsfrei – ein entscheidender Vorteil bei großvolumigen Materialien und auf Baustellen ohne Strom- oder Druckluftversorgung.

Der Aufbau einer Hydraulikschere besteht aus einem starren und einem beweglichen Element oder aus zwei beweglichen Elementen. Die Klingen werden durch hydraulische Linearzylinder bewegt, die mit hohen Arbeitsdrücken operieren. Das erfordert starke Hydraulikpumpen und entsprechende Antriebe. Die Schere und der Zylinder sind in der Regel mit Wechselkupplungen ausgestattet, um einen schnellen Austausch oder die Montage an verschiedene Trägermaschinen zu ermöglichen.

Hydraulische Scheren wandeln den Druck eines Fluids in mechanische Kraft und Bewegung um. Ein zentraler Hydraulikkreis, der von einer oder mehreren Pumpen gespeist wird, versorgt die Schere mit Drucköl. Moderne Systeme arbeiten mit Load-Sensing-Regelungen, die den Volumenstrom bedarfsgerecht anpassen und Energie sparen.

Stationäre hydraulische Scheren kommen häufig in der Herstellung und Verarbeitung von Weichmetallen zum Einsatz. Die so genannte Schopfschere entfernt bei gewalzten Aluminiumbrammen die unförmigen und unbrauchbaren Endstücke. Weitere Anwendungen finden sich in der Stahlschrott-Verarbeitung: Die Scheren trennen große Produkte in kleine Portionen, die im Nachgang gepresst oder geschreddert werden können. Eine technische Besonderheit stationärer Scheren ist die mechanische Unterstützung: Bei Schrott- oder Schopfscheren ist häufig nur die Hubbewegung – also die Öffnung der Schere – hydraulisch unterstützt. Die Schneidarbeit selbst erfolgt durch ein Gegengewicht und die Schwerkraft.

Mobile Varianten werden an Baufahrzeuge montiert. Für ihren Einsatz kommen in der Regel Umschlagmaschinen, Bagger, Teleskopbagger oder spezielle Abbruchbagger in Frage. Hydraulische Scheren sind in der Abbruchwirtschaft ein unverzichtbares Werkzeug: Sie durchtrennen zuverlässig Stahlträger, Baustahlmatten, Pfeiler oder andere tragende Bauelemente. Der Abriss eines Hauses kann so mit nur einer einzigen Arbeitskraft durchgeführt werden, wenn diese über einen entsprechend ausgestatteten Abbruchbagger verfügt. Mobile Scheren sind als doppeltwirkende Systeme ausgeführt – beide Kolbenseiten des Zylinders werden mit Drucköl versorgt, was kraftvolle Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen ermöglicht.

Betonscheren arbeiten technisch nach dem gleichen Prinzip, sind aber nicht nur für Abbrucharbeiten zu gebrauchen. Scheren, die zuverlässig die Ummantelung um eine Stahlarmierung entfernen können, sind wichtige Werkzeuge in der Bauwirtschaft. Mit ihrer Hilfe lassen sich in den Boden gerammte Betonpfähle an den Spitzen von Beton befreien. Die frei gelegte Armierung kann im Nachgang an einen Baukörper angebunden werden. Nach diesem Prinzip werden beispielsweise schwere Windkraftanlagen in schlammigem und nur sehr wenig tragfähigen Boden zuverlässig verankert.

Besonders kleine hydraulische Scheren kommen im Rettungsdienst zum Einsatz. Sie sind als Handgerät ausgeführt und werden mit tragbaren Hydraulikaggregaten betrieben. Mit ihrer Hilfe werden verunfallte Autos aufgeschnitten, um Unfallopfer schnell bergen zu können. Technisch unterscheiden sich diese Handgeräte nicht von den größeren mobilen oder stationären Pendants – sie arbeiten mit denselben hydraulischen Grundprinzipien, sind jedoch auf kompakte Bauweise und hohe Mobilität optimiert.

Hydraulische Scheren sind hoch belastete Werkzeuge und bestehen daher aus gehärtetem Stahl. Das macht sie recht anfällig gegen Oberflächenrost. Obwohl sie sehr massiv gefertigt sind, sollten sie gut gepflegt und instandgehalten werden. Mit dem Wechsel der Lager und der Hydraulikeinheit ist auch eine ältere Hydraulikschere mit wenigen Handgriffen wieder betriebsbereit.