Der Hebezeug-Spezialist Columbus McKinnon hat einen batteriebetriebenen Kettenzug vorgestellt, der komplett ohne Kabelverbindung arbeitet. Das Gerät richtet sich primär an Industrieanwendungen, könnte aber auch für Baustelleneinsätze relevant werden – insbesondere bei Montagearbeiten in Bereichen ohne feste Stromversorgung oder bei häufig wechselnden Einsatzorten.

Im Unterschied zu konventionellen elektrischen Kettenzügen, die über Kabel mit dem Stromnetz oder einem Generator verbunden sind, nutzt die neue Lösung wiederaufladbare Batteriemodule. Das eliminiert Stolperfallen durch Kabel und ermöglicht Einsätze in Umgebungen, in denen Kabelverlegung aufwendig oder unmöglich wäre. Für Einsätze auf Baustellen mit Mobilkranen oder als Anbaugerät für Hebearbeiten könnte die kabellose Technik Standzeiten reduzieren.

Die technischen Herausforderungen bei der Entwicklung lagen vor allem in der Energiedichte der Akkus und der Leistungselektronik. Kettenzüge benötigen beim Anheben von Lasten kurzzeitig hohe Ströme – ein Anforderungsprofil, das moderne Lithium-Ionen-Zellen inzwischen erfüllen können. Columbus McKinnon gibt keine Details zur Tragfähigkeit oder Batterielaufzeit bekannt, doch vergleichbare Systeme in der Intralogistik erreichen typischerweise Betriebsdauern von mehreren Stunden bei moderater Nutzung.

Für die Baumaschinenbranche ist die Entwicklung ein weiterer Baustein im Trend zur Elektrifizierung der Baustelle. Während Elektrobagger und akkubetriebene Verdichtungsgeräte bereits etabliert sind, fehlten bislang leistungsfähige kabellose Lösungen für Hebezeuge. Das könnte sich nun ändern: Gerade bei Innenausbau, Stahlbau oder Fertighaus-Montage, wo häufig Hubarbeitsbühnen und Krane zusammenarbeiten, eröffnet die Technologie neue Einsatzszenarien.

Ob sich batteriebetriebene Kettenzüge in der Praxis durchsetzen, hängt stark von der Amortisation ab. Die Anschaffungskosten dürften über denen konventioneller Modelle liegen, während Einsparungen bei Kabelverlegung und Wartung gegengerechnet werden müssen. Auch die Lebensdauer der Batterien und die Verfügbarkeit von Ersatzakkus werden Entscheidungskriterien für Flottenmanager sein.

Einschätzung: Columbus McKinnon testet mit dem kabellosen Kettenzug ein Marktsegment, das bisher kaum besetzt war. Konkrete technische Daten und Praxiserfahrungen fehlen noch – Pilotprojekte auf Großbaustellen oder in der Fertigungsindustrie dürften in den kommenden Monaten folgen. Eine Markteinführung in Europa ist noch nicht terminiert, doch der Trend zu kabellosen Elektrowerkzeugen legt nahe, dass weitere Hersteller nachziehen werden.