Caterpillar setzt verstärkt auf Wasserstoff-Technologie. Eine mögliche Kooperation mit dem kanadischen Cleantech-Unternehmen dynaCERT deutet darauf hin, dass der Baumaschinenriese Caterpillar Brückentechnologien für die Dekarbonisierung von Bestandsflotten prüft. Während batterieelektrische Antriebe bei Minibaggern und Radladern bereits Serie sind, bleibt die Frage offen: Was passiert mit den hunderttausenden Diesel-Maschinen, die noch 10 bis 15 Jahre im Einsatz bleiben?

dynaCERT liefert keine neuen Antriebe, sondern eine Nachrüstlösung. Das System injiziert Wasserstoff direkt in den Ansaugtrakt bestehender Dieselmotoren. Laut Hersteller soll das den Kraftstoffverbrauch um bis zu 19 Prozent senken und Emissionen deutlich reduzieren. Für Flottenbetreiber bedeutet das: Keine Neuanschaffung nötig, keine monatelangen Ausfallzeiten, keine komplette Umstellung der Wartungsstrukturen. Die Maschine bleibt dieselbetrieben, verbraucht aber weniger und stößt weniger aus.

Caterpillar selbst arbeitet an mehreren Dekarbonisierungspfaden. Neben reinen Elektrobaggern und Brennstoffzellen-Prototypen testet der Konzern auch Hybridantriebe und alternative Kraftstoffe. Die mögliche Zusammenarbeit mit dynaCERT zeigt: Caterpillar sucht nach Lösungen für die Übergangsphase. Bis 2040 will der Konzern seine Neumaschinen CO₂-neutral anbieten. Was aber mit den Bestandsmaschinen passiert, bleibt eine zentrale Herausforderung für die gesamte Branche.

Für Bauunternehmer stellt sich die Frage der Amortisation. Eine Nachrüstung mit Wasserstoff-Injektion kostet je nach Maschinentyp zwischen 15.000 und 40.000 Euro. Bei einem durchschnittlichen Hydraulikbagger mit 300 Betriebsstunden pro Monat und einem Verbrauch von 20 Litern Diesel pro Stunde ergeben sich bei 19 Prozent Einsparung rund 1.140 Liter weniger Diesel monatlich. Bei einem Dieselpreis von 1,50 Euro bedeutet das 1.710 Euro Ersparnis pro Monat. Die Investition wäre nach rund 18 Monaten amortisiert – vorausgesetzt, die Technologie hält, was sie verspricht.

Kritisch bleibt die Wasserstoff-Verfügbarkeit auf der Baustelle. Grüner Wasserstoff ist teuer und die Infrastruktur fehlt. dynaCERT setzt auf kleine, onboard erzeugte Mengen durch Elektrolyse. Das System benötigt destilliertes Wasser und Strom aus der Bordelektrik. Ob das in der Praxis funktioniert und wie sich der zusätzliche Wartungsaufwand auswirkt, wird die Erprobung zeigen. Caterpillar hat sich bislang nicht öffentlich zu konkreten Testprogrammen oder Serienplänen geäußert.

Die Branche beobachtet den Schritt genau. Auch Komatsu, Liebherr und Volvo CE arbeiten an Wasserstofflösungen. Die Frage ist nicht mehr, ob Wasserstoff kommt, sondern wann und in welcher Form. Für Flottenbetreiber, die heute investieren müssen, sind Brückentechnologien wie die von dynaCERT eine Option, um Emissionsauflagen zu erfüllen, ohne die gesamte Flotte austauschen zu müssen. Mehr zum Thema finden Sie in unserem Themenportal Wasserstoff in Baumaschinen.