Brigade Electronics hat mit Backsense ein radarbasiertes visuelles Warnsystem vorgestellt, das Toter-Winkel-Gefahren bei Baumaschinen reduzieren soll. Das System kombiniert Radartechnologie mit Display-Warnungen auf einem Monitor in der Fahrerkabine und zielt primär auf Anwendungen bei Mobilkranen und Turmdrehkränen ab, wie der britische Sicherheitstechnik-Spezialist mitteilt.

Besonders bei mobilen Turmdrehkränen stellt die Sichtbarkeit im Nahbereich eine persistente Herausforderung dar. Während der Kranführer aus erhöhter Position primär auf den Lastbereich fokussiert ist, entstehen kritische tote Winkel im unmittelbaren Schwenkbereich des Oberwagens und im Bereich der Abstützungen. Das Backsense-System soll durch Echtzeit-Visualisierung bewegter und statischer Objekte auf einem In-Cab-Display diese Gefahrenzonen überwachen.

Die Technologie basiert auf Radarsensoren, die im Gegensatz zu kamerabasierten Systemen auch bei schlechten Sichtverhältnissen, Dunkelheit oder starker Staubentwicklung funktionieren. Für Hersteller wie Spierings Mobile Cranes, die auf kompakte mobile Turmdrehkräne für innerstädtische Einsätze spezialisiert sind, könnte dies relevant werden – gerade bei beengten Baustellen mit Publikumsverkehr.

Derzeit existieren für mobile Turmdrehkräne keine verbindlichen EU-weiten Vorschriften zur Ausstattung mit elektronischen Nahbereichswarnsystemen. Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG fordert zwar eine Risikobeurteilung und geeignete Maßnahmen zur Gefahrenminimierung, überlässt die konkrete Umsetzung jedoch den Herstellern. In Deutschland verlangt die DGUV Regel 100-500 bei eingeschränkter Sicht eine Einweisung durch eine zweite Person – ein System wie Backsense könnte hier als technische Maßnahme dienen.

Die Implementierung solcher Systeme bringt für Kranhersteller sowohl technische als auch wirtschaftliche Herausforderungen mit sich. Die Integration in bestehende Fernsteuerungs- und Telematik-Architekturen erfordert Anpassungen der Kabinen-Elektronik und Software-Schnittstellen. Zudem müssen Sensoren so positioniert werden, dass sie den gesamten kritischen Schwenkbereich des Oberwagens abdecken, ohne die strukturelle Integrität oder Aerodynamik zu beeinträchtigen.

Kostenangaben für das Backsense-System hat Brigade Electronics nicht veröffentlicht. In der Regel bewegen sich nachrüstbare Radar-Warnsysteme für Baumaschinen im unteren vierstelligen Euro-Bereich pro Einheit, bei OEM-Integration können die Kosten durch Skaleneffekte sinken. Für Flottenbetreiber wird die Amortisation über reduzierte Unfallkosten und Versicherungsprämien berechnet – belastbare Branchendaten zur ROI-Dauer liegen jedoch kaum vor.

Andere Kranhersteller haben bereits unterschiedliche Ansätze zur Verbesserung der Nahbereichssicherheit entwickelt. Liebherr setzt bei seinen Turmdrehkranen auf Kamerasysteme mit Rundumsicht-Funktion, während SENNEBOGEN bei Materialumschlagmaschinen Ultraschallsensoren in Kombination mit optischen Warnsignalen nutzt. Eine branchenweite Standardisierung der Technologie fehlt jedoch bislang.

Für die Baumaschinenbranche könnte die Entwicklung solcher Systeme mittelfristig zum Wettbewerbsfaktor werden – insbesondere, wenn Versicherer Prämienvorteile für nachweislich mit Warnsystemen ausgestattete Flotten gewähren oder öffentliche Auftraggeber entsprechende Anforderungen in Ausschreibungen aufnehmen. Eine EU-weite Regulierung nach dem Vorbild der Rückfahrkamera-Pflicht bei Pkw ist bislang nicht absehbar, würde aber die Marktdurchdringung deutlich beschleunigen.